Zahnarztbesuch

 

"Zahnarztbesuch"

Von Alexandra Kanobel

2024


Liebe Eva,

 

neulich war ich bei der Zahnärztin! Ich hatte Befürchtungen, dass die Behandlung schmerzen würde, obwohl ich weiß, dass sie eine gute Zahnärztin ist. Ich war dort wegen einer Wurzelbehandlung! Die Behandlung begann also! Wegen meiner doch großen Angst, bekam ich eine leichte Narkose und glitt ab in eine Traumwelt. Versunken hörte ich gerade noch, wie die Ärztin den Bohrer startete, dann schlief ich. Ich hatte jedoch einen üblen Alptraum. Ich träumte, dass die Ärztin Spinnenhände hatte und gleichzeitig auf mehreren Zähnen bohrte und dabei teuflisch lachte, während ich vor Schmerzen schrie! Zum Glück nur ein Traum! Schließlich wachte ich wieder auf. Wie lange ich geschlafen hatte, ich weiß es nicht! Doch als ich aufwachte, war ich zu meiner Verwunderung alleine in dem Behandlungsraum. Da ich noch nicht ganz klar im Geist war, wartete ich bis die Benommenheit vergangen war! Dann ging ich noch leicht wankend aus dem Arztzimmer und verließ erleichtert wieder die Arztpraxis. Der Weg nach Hause dauerte nicht lange und schon bald saß ich vor dem Fenster und sah abwechselnd hinaus, und auf mein Tablet, während ich darauf in einem Programm komponierte. Es war bereits dämmrig. Auf der Straße war allerlei Bewegung. Ständig fuhren Autos vorbei oder gingen Menschen ihres Weges.
 
Plötzlich begann es in meinem Bauch, genauer gesagt in meinem Magen, auf das Heftigste zu rumoren. Zuerst dachte ich, ich hätte etwas Falsches zuvor gegessen, doch die Geräusche in meinem Bauch wurden immer lauter, schließlich so laut, dass ich mir die Ohren zuhalten musste! ‚Hätte ich einen Taktstock in der Hand gehabt, hätte ich sie dirigieren und damit eine seltsame Melodie erschaffen können‘, dachte ich dabei.

Da hörte ich ein schrill-zurrendes Geräusch! Ich sah mich um, dann auf die Straße, konnte jedoch die Quelle nicht ausfindig machen! Wieder zurrte das Geräusch! Und wieder! Da läutete es auch schon an der Wohnungstür. Ich dachte jetzt kommen sich auch noch die Nachbarn beschweren! Doch es war nur mein Onkel Rudi! Als ich die Tür aufmachte, endete das Geräusch abrupt! Ich war erleichtert! Onkel Rudi brachte Maroni mit. Auf Drängen meines Onkels nahm ich einen davon. Als ich jedoch auf den Maroni biss, meldete sich der behandelte Zahn mit so einem Schmerz zurück, dass ich heftigst auffuhr! Mein Onkel hatte zwar Mitleid, meinte aber ich müsse zur Zahnärztin, worauf ich erwiderte, dass ich vorher war!

Da zurrte das Geräusch wieder schrill! „Na, na! Deine Nachbarn bohren aber unangenehm laut!“, sagte der Onkel, als aus dem Nichts eine Frauenstimme laut „Hilfe!“ rief. Onkel Rudi und ich fuhren beide alarmiert hoch. „Oberhalb!“, rief ich ihm schnell zu, „Das kann nur Frau Minnerl sein!“ Denn nebenan wohnte einzig Herr Nieselgemach und die anschließende Wohnung stand leer. Wir liefen die Treppe hoch – mein Onkel hastig und ich so gut es mit den Magenproblemen eben ging - und läuteten. Frau Minnerl öffnete nach kurzer Zeit die Tür, verneinte jedoch irgendeine Bedrohung oder dass sie geschrien hatte.

Wieder in der Wohnung setzten wir uns erleichtert und wollten Kaffee trinken, als mein Magen wieder zu rumoren begann und mir entsetzlich schlecht wurde! Ich wollte auf die Toilette laufen, als ich plötzlich zu meinem völligen Entsetzen eine kleine Zange ausspuckte! Fast wäre ich in Ohnmacht gefallen! Doch dazu hatte ich keine Zeit, folgten der Zange doch eine Spritze (zum Glück ohne Nadel) und mehrere Wattebäusche! Da rief auch schon meine Zahnärztin nochmals laut „Hilfe! So helfen Sie mir doch!“ „Wo sind Sie?“, stammelte Rudi, der mich ebenso entsetzt ansah. „Hier drinnen! Im Magen! Wir sind bei der Behandlung ausgerutscht und hineingefallen!“, rief meine Zahnärztin so deutlich sie konnte. Schnell nahm mein Onkel eine Taschenlampe und wollte durch meinen Mund in mich hineinsehen, als auch er fast ausgerutscht und in mich hineingefallen wäre! Dabei fiel ihm die Taschenlampe aus der Hand und im hohen Bogen direkt in meinen Magen. Dies nahm meine Zahnärztin zum Anlass um mit der Taschenlampe, die sie nun hatte einen Lichtstrahl aus meinem Mund herauszurichten! Bei alldem muss ich wohl nicht erwähnen, dass mein Onkel mich höchst seltsam ansah. Als ob ich ein Schwarzes Loch wäre, dass Alles in sich sog! Er kam danach auch mehrere Wochen nicht mehr zu Besuch.

Schließlich riefen noch mehrere Stimmen aus mir heraus um Hilfe! Anscheinend war beim Versuch die Zahnärztin herauszuziehen die ganze Belegschaft in mich gefallen! Wie sie das geschafft hatten ist mir bis heute ein Rätsel! Wenigstens waren sie kompakt und nahmen nicht zu viel Platz in mir ein! Endlich warf mein Onkel eine Strickleiter in mich, die er sich von Herrn Nieselgemach ausgeborgt hatte und alle, die Zahnärztin, ihre Ordinationsgehilfen, sogar ein paar andere Patienten und der Wachmann kamen wieder gesund zum Vorschein! Beim Herausklettern behandelte die Zahnärztin noch eilig den Zahn fertig, während sie halb aus mir herausragte! Dann fiel ich in Ohnmacht. Als ich aufwachte, war die Wohnung komplett leer und ich lag in meinem Bett.


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