Zahnarztbesuch
"Zahnarztbesuch"
Von Alexandra Kanobel
2024
Liebe Eva,
Da hörte ich ein schrill-zurrendes
Geräusch! Ich sah mich um, dann auf die Straße, konnte jedoch die Quelle nicht
ausfindig machen! Wieder zurrte das Geräusch! Und wieder! Da läutete es auch
schon an der Wohnungstür. Ich dachte jetzt kommen sich auch noch die Nachbarn
beschweren! Doch es war nur mein Onkel Rudi! Als ich die Tür aufmachte, endete
das Geräusch abrupt! Ich war erleichtert! Onkel Rudi brachte Maroni mit. Auf
Drängen meines Onkels nahm ich einen davon. Als ich jedoch auf den Maroni biss,
meldete sich der behandelte Zahn mit so einem Schmerz zurück, dass ich heftigst
auffuhr! Mein Onkel hatte zwar Mitleid, meinte aber ich müsse zur Zahnärztin,
worauf ich erwiderte, dass ich vorher war!
Da zurrte das Geräusch wieder schrill!
„Na, na! Deine Nachbarn bohren aber unangenehm laut!“, sagte der Onkel, als aus
dem Nichts eine Frauenstimme laut „Hilfe!“ rief. Onkel Rudi und ich fuhren
beide alarmiert hoch. „Oberhalb!“, rief ich ihm schnell zu, „Das kann nur Frau
Minnerl sein!“ Denn nebenan wohnte einzig Herr Nieselgemach und die
anschließende Wohnung stand leer. Wir liefen die Treppe hoch – mein Onkel
hastig und ich so gut es mit den Magenproblemen eben ging - und läuteten. Frau
Minnerl öffnete nach kurzer Zeit die Tür, verneinte jedoch irgendeine Bedrohung
oder dass sie geschrien hatte.
Wieder in der Wohnung setzten wir
uns erleichtert und wollten Kaffee trinken, als mein Magen wieder zu rumoren
begann und mir entsetzlich schlecht wurde! Ich wollte auf die Toilette laufen,
als ich plötzlich zu meinem völligen Entsetzen eine kleine Zange ausspuckte! Fast
wäre ich in Ohnmacht gefallen! Doch dazu hatte ich keine Zeit, folgten der
Zange doch eine Spritze (zum Glück ohne Nadel) und mehrere Wattebäusche! Da
rief auch schon meine Zahnärztin nochmals laut „Hilfe! So helfen Sie mir doch!“
„Wo sind Sie?“, stammelte Rudi, der mich ebenso entsetzt ansah. „Hier drinnen!
Im Magen! Wir sind bei der Behandlung ausgerutscht und hineingefallen!“, rief
meine Zahnärztin so deutlich sie konnte. Schnell nahm mein Onkel eine
Taschenlampe und wollte durch meinen Mund in mich hineinsehen, als auch er fast
ausgerutscht und in mich hineingefallen wäre! Dabei fiel ihm die Taschenlampe
aus der Hand und im hohen Bogen direkt in meinen Magen. Dies nahm meine
Zahnärztin zum Anlass um mit der Taschenlampe, die sie nun hatte einen
Lichtstrahl aus meinem Mund herauszurichten! Bei alldem muss ich wohl nicht
erwähnen, dass mein Onkel mich höchst seltsam ansah. Als ob ich ein Schwarzes
Loch wäre, dass Alles in sich sog! Er kam danach auch mehrere Wochen nicht mehr
zu Besuch.
Schließlich riefen noch mehrere
Stimmen aus mir heraus um Hilfe! Anscheinend war beim Versuch die Zahnärztin
herauszuziehen die ganze Belegschaft in mich gefallen! Wie sie das geschafft
hatten ist mir bis heute ein Rätsel! Wenigstens waren sie kompakt und nahmen
nicht zu viel Platz in mir ein! Endlich warf mein Onkel eine Strickleiter in
mich, die er sich von Herrn Nieselgemach ausgeborgt hatte und alle, die
Zahnärztin, ihre Ordinationsgehilfen, sogar ein paar andere Patienten und der
Wachmann kamen wieder gesund zum Vorschein! Beim Herausklettern behandelte die
Zahnärztin noch eilig den Zahn fertig, während sie halb aus mir herausragte!
Dann fiel ich in Ohnmacht. Als ich aufwachte, war die Wohnung komplett leer und
ich lag in meinem Bett.
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