Madame Angelique kennt Herrn Sonntag nicht

 

Madame Angelique kennt Herrn Sonntag nicht

Von Alexandra Kanobel

2025

 

 

Madame Angelique steht spät, erst um neun Uhr auf. Dabei ist das ganze Haus schon im Trubel. Madame schlendert zur Toilette, da sieht sie am Boden Lurch liegen und schon kommt Mademoiselle vorbei und fegt ihn weg. Madame ist durstig und schon bringt Mademoiselle Kaffee oder Tee, ganz wie Madame belieben. Madame setzt sich in den bequemen Fauteuil, Mademoiselle schiebt ihn zurecht. Madame schlürft den Kaffee laut, während Mademoiselle Madame die Hand vor den Mund hält. Madame hat Hunger und denkt an ein Croissant. Schon ruft Mademoiselle eine andere Mademoiselle, die ein Croissant vom Bäcker holt. Madame geht ins Bad und duscht sich. Das alleine. Danach bringt Mademoiselle von ihr frisch gewaschene Bekleidung. Madame Angelique sieht einen Knitter. Sofort kommt Mademoiselle und bügelt die Bluse. Monsieur Morel, der Ehemann Madame Angelique’s, wacht derweil ebenso auf. Er gähnt laut. Madame sieht zur geschlossenen Tür des Schlafzimmers und Mademoiselle öffnet für sie diese. Monsieur kommt heraus. Da sitzt auf seiner Glatze eine Fliege. Mademoiselle verscheucht sie. Monsieur geht ebenfalls auf die Toilette. „Ach! Ich habe gestern ganz vergessen dir zu sagen, ich habe Herrn Sonntag und seine Gesellschaft zum Diner am Abend eingeladen!“, sagt Monsieur Madame Morel. Madame springt erschrocken auf und Mademoiselle läuft in die Küche und beginnt zu kochen, während Madame besorgt im Kreis läuft und sich ob der kurzen Zeit Sorgen macht. Madame denkt an die fehlenden Zutaten und Mademoiselle schickt eine weitere Mademoiselle zum Einkaufen auf den Wochenmarkt. Mademoiselle kauft zügig ein und ist bereits auf dem Heimweg, da fällt Madame ein sie brauchen Fisch und Truthahn. Die Gäste sollen schließlich Auswahl haben! Die Mademoiselle dreht um, läuft zurück, kauft den Fisch – Lachs und Forelle zur Auswahl – und den Truthahn ein. Madame geht in die Küche und überprüft die derweil begonnenen einzelnen Kochschritte. Mademoiselle kocht. ‚Die Karotten werden schnell zu weich!‘, denkt Madame und Mademoiselle dreht den Herd klein. Da streicht die Katze durch die Küche und Mademoiselle füttert sie. „Es ist zu heiß hier!“, sagt Madame. Mademoiselle öffnet das Fenster. Madame beginnen die Beine zu schmerzen und Mademoiselle setzt sich nieder auf einen Stuhl in der Küche. ‚Die Karotten!‘, denkt Madame erschrocken wieder. Mademoiselle springt auf und dreht die Feuerstelle bei den Karotten ab. ‚Der Tisch muss gedeckt werden!‘, denkt Madame und die andere Mademoiselle stürmt los um die Arbeit zu verrichten. Die Kinder der Morel’s sind unterdessen mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Immer wieder kommt Mademoiselle Jolie, die Tochter, zu ihrer Mutter, unterbricht aber häufig für ihre eigenen Angelegenheiten. „Der Truthahn! Ich habe den Truthahn vergessen!“, ruft Madame Angelique, während die Mademoiselle in der Küche ihn in den Ofen schiebt. „Der Ofen ist nicht warm genug!“, stellt Madame fest und Mademoiselle pustet in das Backrohr des elektrischen Ofens, um ihn schneller zu wärmen! Madame bekommt Durst. Mademoiselle nimmt ein Glas, geht zur Wasserleitung und trinkt. ‚Und all der Staub in der Wohnung!‘, denkt Madame. Eine weitere Mademoiselle beginnt den Boden im Salon zu fegen und Staub zu wischen. Da läutet es! „Pierre!“, ruft Madame ihren Ehemann. „Ich kann jetzt nicht!“, ruft dieser zurück dabei sich für den Abend schick zu machen. „Ich muss mich umziehen! Der Truthahn muss tranchiert werden! Die Gemüseplatte und die Bratkartoffeln müssen angerichtet werden!“, sagt Madame. Mademoiselle geht sich umziehen. Madame bleibt in der Küche. Sie ruft wiederholt nach Mademoiselle, aber niemand kommt! So tranchiert sie den Truthahn, richtet die noch schnell gebratenen Forellen und den Lachs an, seiht das Gemüse aus dem Kochwasser ab und richtet dieses und die Bratkartoffeln an. Da erschrickt sie und ihr fällt ein sie hat vergessen eine Suppe zu kochen. Wieder läutet es, doch Madame läuft rasch sich umziehen. Als sie schließlich die Türe öffnet steht niemand mehr davor.

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